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BUND Kreisgruppe Segeberg

Unsere Knicks in Schleswig-Holstein

(c) Reinhard Degener, BUND SH

I. Historische Bedeutung der Knicks

Unsere Knicks, auch die im Bereich des Kreises Segeberg, sind  im Zuge umfangreicher Agrarreformen ab der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts entstanden. Davor waren die hiesigen  Acker-, Weide-, Wiesen- und Heideflächen durch Gewässer, Moore, Waldinseln und Gebüschgruppen unregelmäßig durchsetzt und reich strukturiert. Im Rahmen der Verkoppelung wurden die ehemaligen Feldgemeinschaften zur Intensivierung der Landnutzung vermessen und aufgeteilt. Jeder Bauer erhielt Grund und Boden als privates Eigentum zugewiesen mit der Auflage, es parzelliert mit „lebendem Pathwerk“ einzukoppeln. Die ursprüngliche Funktion der Knicks diente also im Wesentlichen der Einzäunung. Zu diesem Zweck wurden aus der umgebenden Landschaft Sträucher und Bäume entnommen und auf Wällen angepflanzt. Um dem Zaun eine große Dichte zu geben, wurden die jungen Schösslinge seitlich eingeritzt, herabgeknickt und in der Erde verankert. So entstand die landestypische Bezeichnung „Knick“. Da die Seitentriebe der geknickten Schösslinge häufig nebeneinander „harfenähnlich" nach oben wuchsen, entstanden die sogenannten „Knickharfen“. Diese kulturhistorischen Zeugnisse der alten Zaunfunktion können örtlich vereinzelt noch bewundert werden.

Die Knicks dienten aber auch im waldarmen Schleswig-Holstein der Brennholzversorgung, indem sie zum Winter abschnittsweise auf den Stock gesetzt wurden. In relativ regelmäßigen Abständen verschonte man eine heranwachsende kleine Buche oder Eiche als sogenannten Überhälter, um ihn später für Bau- und Möbelholz bzw. zur Herstellung von Koppelpfählen zu verwenden. Viele Wildsträucher wie Holunder, Schlehe, Brombeere und Wildrose spendeten Früchte für den bäuerlichen Vorratskeller.

Schon damals erkannte man im sturmzerzausten Land zwischen den Meeren die ertragssteigernde Windschutz- und  Bodenschutzfunktion der “Wallhecken“. Unsere Vorfahren zeigen uns damit ein mustergültiges Beispiel für nachhaltiges Wirtschaften.

 

(c) Reinhard Degener, BUND SH

II. Heutige Bedeutung der Knicks

1. Ökologische Bedeutung

Die Struktur eines  Knicks ähnelt im Grundsatz zwei zusammengerückten Waldrändern. Dies ist besonders im waldarmen Schleswig-Holstein von großer ökologischer Bedeutung, weil an diesen Übergangsstandorten sowohl Pflanzen- und Tierarten der Wälder und Waldränder als auch der offenen Landschaft leben können und zusammen eigenständige und besonders vielfältige Lebensgemeinschaften bilden.

Die Tierwelt des Knicks ist vergleichsweise artenreich entwickelt. So kann ein sachgerecht gepflegter Knick auf 1 km Länge gerechnet bis zu 1800 verschiedene Tierarten enthalten. Er ist ein Stützpunkt für die Nahrungssuche von Tieren mit einem sehr unterschiedlichen Aktionsradius, wie z. B. dem von Ameise, Heckenbraunelle, Igel oder Reh. Somit bilden die Knicks in Schleswig- Holstein den Grundstock für ein  lokales Biotopverbundsystem. Sie stellen Lebensraumvernetzungen her und leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Artenvielfalt und Biodiversität. Gerade in wachsenden Städten und Gemeinden mit stetig zunehmenden Versiegelungen und Biotopverlusten bedürfen die noch bestehenden Knicks als ein bedeutsames Element eines Biotopvernetzungsystems unseres besonderen Schutzes und unserer Wertschätzung.

 

2. Klimatische Bedeutung

Aufgrund der geographischen Lage Schleswig-Holsteins stellt der Wind einen erheblichen  Faktor dar. Knicks haben hier aufgrund ihrer Struktur eine stark windabschwächende Funktion. An der windabgekehrten Seite ( Lee ) macht sich die Verminderung der Windgeschwindigkeit bis zu 170 m hinter dem Knick bemerkbar. Damit verbunden ist eine bedeutsame Erosionsschutzwirkung. Weiterhin beeinflussen die Wallhecken das Mikroklima des Acker- und Weidebereichs positiv, indem sie die Verdunstung vermindern, die Taubildung und Bodenfeuchtigkeit verbessern und die Temperatur zwischen den Knicks erhöhen.

In Siedlungsbereichen zeigen Knicks ihre „Biofilter-Wirkung“  in Bezug auf  Staub und Luftverunreinigungen an den Verkehrswegen. Gleiches gilt für die Lärmemissionen des Straßenverkehrs, die durch einen intakten Knick eine erhebliche Abschwächung erfahren.

 

3. Landschaftsprägende Bedeutung und Erholungswert

Knicks sind landschaftsprägende Elemente der Kulturlandschaft Schleswig- Holsteins mit einer jahrhundertealten Geschichte. Sie erhöhen mit ihrer linearen und horizontalen Struktur schon rein optisch die Vielfalt des Landschaftsbildes und leisten damit einen erheblichen Beitrag zum Erholungswert unserer Region. Mit ihrer Artenvielfalt bieten sie zu allen Jahreszeiten vielfältige Beobachtungsmöglichkeiten für Naturfreunde.

Gleichzeitig macht eine abwechslungsreiche Knicklandschaft Schleswig-Holstein zu einem begehrten Urlaubsland für den sogenannten sanften Tourismus. Wanderungen und Fahrradtouren werden im Windschatten unserer Knicks zu einem abwechslungsreichen Naturerlebnis  für Urlauber und Erholungssuchende. Ein nicht asphaltierter Reit- oder Wanderweg  bzw. eine Radwegtrasse entlang eines  Doppelknicks, also eines Redders, ist vom Erholungswert und von seiner ökologischen Bedeutung her ein absoluter Hit für das Urlaubsland Schleswig-Holstein.

 

(c) T. Soffner

4. Gefährdung der Knicks

In Siedlungsbereichen sind Knicks besonders durch Baumassnahmen gefährdet. Ihre Biotopvernetzungsfunktion wird durch baubedingte Eingriffe (z.B. Knickdurchbrüche, Zufahrten, Versiegelungen) stark eingeschränkt oder zunichte gemacht.

In dem Bauerwartungsland sind auf den Knicks häufig orts- und landschaftsprägende Baumreihen herangewachsen, die dann dem Nutzungsdruck nicht gewachsen sind.

In Siedlungsnähe werden Knicks häufig in die Gartenplanung mit einbezogen. Hierbei erfolgt oftmals eine Bepflanzung mit standortuntypischen Gewächsen wie Thuja, Kirschlorbeer und Rhododendron, die den im Bebauungsplan festgesetzten Schutz des Knick-Biotops ökologisch entwertet.

Weitere Gefahren drohen den Knicks durch die aktuell große Holznachfrage für sogenannte nachhaltige Energiegewinnung.

Um bei Pflege und Erhalt der Knicks Ökologie und Ökonomie besser in Einklang zu bringen, ist es sinnvoll, den Erhalt der Knicks und die fachgerechte Pflege verstärkt zu fördern und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des landestypischen Landschaftbildes, zur Erholungsnutzung und für den Naturschutz zu leisten. Auch bei der Aufstellung von Bebauungsplänen macht es aus wirtschaftlichen Gründen Sinn, Knicks als wertvolle Biotopvernetzungselemente zu erhalten, statt anderweitig einen teuren und fragwürdigen Ausgleich zu schaffen. So benötigt ein neu angelegter Ersatzknick bis zum Erreichen einer gleichhohen Biodiversität bei gleicher Vielfalt an Gehölzen einen Zeitraum von mehr als 50 Jahren.

 

Literaturtipp:

„Der Knick ist Vielfalt“, Cobra Verlag, ISBN 3-937580-38-7

Knicks Schleswig-Holsteins wilde Hecken, MELUR

Was sind Knicks? BUND

Durchführungsbestimmungen zum Knickschutz, MELUR

Gesetzliche Grundlage für Baum-und Heckenschnitt, BUND Stand 2016

Steckbrief Brombeere, BUND

Steckbrief Eberesche, BUND

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